Inhuman
Anicka Yi

Annicka Yi, Le Pain Symbiotique, 2014, © Foto: Achim Hatzius

Auf und in unserem Körper existieren zehnmal mehr Mikroorganismen als menschliche Zellen, circa hundert Billionen an der Zahl. Ohne sie könnten wir nicht überleben. Über die komplexen Beziehungen innerhalb des „Biotops Mensch“ ist bislang verhältnismäßig wenig bekannt, doch wirken sie sich nicht nur auf die körperliche Gesundheit, sondern vermutlich auch auf kognitive Prozesse und Fähigkeiten aus. Was bedeutet dies für herkömmliche Vorstellungen vom menschlichen „Selbst“, die sich vor allem in Abgrenzung zum nichtmenschlichen „Anderen“ definieren? 

In Le Pain Symbiotique [Das symbiotische Brot] setzt Anicka Yi nicht etwa beim Menschen, sondern bei Mikroben und Bakterien an. Die Videoprojektionen im Inneren der PVC-Kuppel zeigen Aufnahmen bakterieller Mikroorganismen. Und auch die in Glycerinseife eingelassenen Materialien erinnern an organische Proben, mikroskopische Bilder von Algen etwa. Yi präsentiert sie beleuchtet und auf Sockeln wie wertvolle Museumsexponate. Die Ausstellungsarchitektur, für die Betrachter nicht begehbar, ist zum Teil mit einer Schicht aus Teig bekleidet. Jedoch hebt sie nicht etwa den menschlichen Verdienst bei der Brotherstellung hervor, sondern jenen der Mikroorganismen. Erst durch die Leistung von Hefen und Bakterien werden Lebensmittel wie Sauerteigbrot für den Menschen überhaupt genießbar. Yis Präsentation richtet sich nicht an den Betrachter als individuelles Selbst, sondern an den Betrachter als Biotop, als symbiotische Beziehung mit den Mikroorganismen in uns.

* 1971 in Seoul, Südkorea, lebt in New York, USA

Annicka Yi, Le Pain Symbiotique, 2014, © Foto: Achim Hatzius

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Annicka Yi, Le Pain Symbiotique, 2014, © Foto: Achim Hatzius

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