Inhuman
Jana Euler

Jana Euler, under this perspective, 1, 2015, © Foto: Nils Klinger

Aus Jana Eulers Gemälde blickt das angestrengte Gesicht einer Frau, die, auf dem Bauch liegend und die Arme nach vorn gestreckt, versucht, über die Grenzen des eigenen Körpers hinauszureichen. Doch obwohl sie uns zugewandt ist, wirkt es, als rücke die Protagonistin in unerreichbare Ferne. Für die Betrachter ist es fast unmöglich, in ihren grotesken, phallisch anmutenden Proportionen einen „normalen“ Körper zu erkennen. under this perspective, 1 versagt uns die Stabilität eines konventionellen Betrachterstandpunkts. Für ihr Gemälde richtet die Künstlerin die Perspektive nach einem unbekannten Gegenüber hinter der Wand aus und verkehrt ein wesentliches Prinzip perspektivischer Darstellung in sein Gegenteil: Dieses berücksichtigt jene Sinnestäuschung, der zufolge Objekte mit wachsender Entfernung zunehmend kleiner erscheinen. Die Zentralperspektive simuliert ein Erscheinungsbild der Realität, welches sich an der räumlichen Wahrnehmung des menschlichen Auges orientiert. Zutiefst vom humanistischen Menschenbild der Renaissance geprägt, erhob die perspektivische Darstellung den menschlichen Betrachter zum mathematisch konstruierten und somit vermeintlich objektiven Zentrum der Bildwelt, das menschliche Sehen zum Universalmodell und „Maß aller Dinge“. Eulers Gemälde versucht eine Abbildung des Menschen, nachdem diese universelle Gültigkeit scheinbar aufgehoben ist. Dabei büßt nicht nur das menschliche Sehen, sondern auch der menschliche Körper seinen Status als stabiler Bezugspunkt ein. Anstatt Intimität und Vertrautheit zeigt es einen gescheiterten Versuch der Kontaktaufnahme und einen Körper, der weder der visuellen Kontrolle der Betrachter noch der physischen Kontrolle seiner Eigentümerin unterliegt.

* 1982 in Friedberg, Deutschland, lebt in Brüssel, Belgien

Jana Euler, under this perspective, 1, 2015, © Foto: Nils Klinger

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Jana Euler, under this perspective, 1, 2015, © Foto: Nils Klinger

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