Inhuman
Johannes Paul Raether

Johannes Paul Raether, Cave of Reproductive Futures, 2015, © Foto: Achim Hatzius

Die heterosexuelle Paarbeziehung als Idealmatrix menschlicher Fortpflanzung schafft sich ab, so Transformella, die pinke „Königin der Trümmer“. Biodigitale Technologien und Kapitalismus durchdringen sich gegenseitig und sind im Begriff, die menschliche Reproduktion zu industrialisieren. Von künstlicher Befruchtung über Präimplantationsdiagnostik zur Leihmutterschaft – in diesen neuen reproduktionsmedizinischen Praktiken sieht Transformella nicht vornehmlich einen Verfall, sondern ein Potenzial, das es für die „Reprovolution“ umzulenken gilt, einen Prüfstein unserer eigenen Re-Produktionsverhältnisse. Was, wenn wir unsere Fortpflanzung vergesellschaften und in Gruppen Kinder haben würden? Es nicht mehr um die Weitergabe unserer individuellen Erbanlagen ginge? Welche Formen von Gemeinschaft und Gesellschaft könnten wir damit heute hervorbringen, welche neuen Bedingungen des Menschseins evozieren? In Transformellas aus Küchentüchern errichteter Bruthöhle wuchern umgebaute Buggy-Gestelle wie Wurzelgeflechte, und statt eines hierarchischen Stammbaums hängt ein „Identitektur“- Diagramm an der Wand, das die im Hier und Heute möglichen Wesen Raethers aufführt, von denen Transformella eines ist. Transformella will unsere „Lehrmutter“ sein und fragt, ob wir angesichts der einschneidenden Veränderungen noch in den alten Kategorien des Humanismus und seines Gegendiskurses weiterdiskutieren möchten, oder besser bestehende Möglichkeiten radikal umnutzen sollten, um mit ihnen die Reprovolution einzuläuten. In ihrer „Höhle reproduktiver Zukünfte“ empfängt sie uns Ende Mai persönlich im Fridericianum.

* 1977 in Heidelberg, Deutschland, lebt in Berlin, Deutschland

Johannes Paul Raether, Cave of Reproductive Futures, 2015, © Foto: Achim Hatzius

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Johannes Paul Raether, Cave of Reproductive Futures, 2015, © Foto: Achim Hatzius

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