Inhuman
Oliver Laric

Oliver Laric, The Hunter and His Dog, 2014 (Detail), © Foto: Achim Hatzius

In Oliver Larics Video findet das Formlose an der Form statt: Scheinbar ohne Hierarchie, entfaltet jedes Objekt, sei es eine Figur, ein Auto oder ein Tier, einen Katalog unbegrenzter virtueller Möglichkeiten. Das Ungeheuerliche ist nicht die Auflösung der Form oder des Bildes, etwa des Menschen zum Monströsen, sondern die unendliche Transformationsmöglichkeit. Wenn die Linie oder die formale Äußerlichkeit einer Grenzziehung dient, die uns zwischen den Dingen zu unterscheiden erlaubt, dann erleben wir in dem Reigen der Verwandlungen, dass keine Form, keine Definition in einer stabilen Identität zum Abschluss kommt. Vielmehr erkennen wir in dem Video, dass die Form selbst einen generativen Moment enthält, der das, was wir erkennen, immer zu einem Anderen werden lässt. So tritt eine formale Ähnlichkeit an die Stelle einer grundlegenden Unterscheidung, etwa zwischen dem Belebten und Unbelebten, dem Mensch und dem Tier. Damit wird eine für das Inhumane wesentliche Frage aufgeworfen, nämlich worauf die grundlegenden Unterscheidungen zwischen den Dingen, die Hierarchisierung und Klassifizierungen beruhen, die den Menschen von seinem Anderen her denken. Die Metamorphose, die Laric in seinem Video ins Werk setzt, wird dabei nicht als Entwicklung zu einem höheren Ziel gedacht, gar einem Endzweck, der in dem Wesen der Dinge begründet liegt. Die sanfte, fast eintönige Popmusik, die das Kaleidoskop an Formen begleitet, verführt die Betrachter, sich in dem intentionslosen Prozess und in dem Genuss des Sehens selbst zu verlieren. 

Ergänzend zu diesem radikalen Denken der Form setzt sich die Serie The Hunter and His Dog mit der Materie auseinander. Auf der einen Seite plastisch, auf der anderen Seite schablonenhaft zweidimensional, zitieren die auf 3D-Scans basierenden Replikas sowohl das Material der Kunst wie des menschlichen Körpers. Die Daten, auf der die händischen Abgüsse basieren, sind im Rahmen von Larics Serie Lincoln 3D Scans im Internet frei verfügbar. Mittels Form, Materialität und Fertigung stellt Laric so das archetypische Bild des Herren mit seinem Hund wie auch seine Verkörperung in Tradition und Idee der Skulptur in Frage.

* 1981 in Innsbruck, Österreich, lebt in Berlin, Deutschland

Oliver Laric, The Hunter and His Dog, 2014 (Detail), © Foto: Achim Hatzius

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Oliver Laric, The Hunter and His Dog, 2014 (Detail), © Foto: Achim Hatzius

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