Speculations on Anonymous Materials
Alisa Baremboym

Alisa Baremboym, 6-D, 2013, © Foto: Achim Hatzius

Alisa Baremboyms Installationen sind hybride Formfindungen, geboren aus einer technisierten und verwissenschaftlichten Welt, mit der unsere Körper täglich konfrontiert sind. Die von der Künstlerin eingesetzten Materialien wie Keramik, Geliermittel, Seide und Kabel – die sonst zur industriellen Fabrikation von Gebrauchsgegenständen verwendet werden – wecken Assoziationen von Haut über Laboreinrichtungen bis hin zu Sexspielzeug. Baremboyms amorphe Kreationen führen ein geheimnis-volles Eigenleben. Es sind unheimliche Mischwesen, die gefangen scheinen zwischen Organik und Mechanik, Anwendbarkeit und Absurdität. Einer unbekannten, technisierten Welt entstammend, markieren sie eine seltsame Zwischenzone zwischen Funktion und Abstraktion. 

Travel Impression erscheint wie eine Form gewordene körperliche Erfahrung. Es bleibt jedoch fraglich, welches Objekt hier auf welches Subjekt „geschnallt“ wird und wo die Grenze zwischen Fühlen und Gefühltem wohl genau verläuft. Sterile Impression verweist auf medizinische Praktiken des Schneidens und Öffnens und wirft zugleich die Frage auf, wie viel unser Wissen über den menschlichen Körper tatsächlich über seine Verfasstheit aussagen kann. Auch die fleischfarbenen Objekte in The Extender, Porous Solutions und 6-D liegen – mit sichtbaren Spuren ihrer Bearbeitung – auf einer Art Seziertisch vor dem Betrachter, ohne jedoch zu beantworten, welcher Natur der an ihnen vorgenommene Eingriff sein wird. Syphon Industries und Syphon Solutions hingegen warten noch, voller Transferpotential, auf ihre impulsgebende Behandlung. Baremboyms Arbeiten scheinen Produkte serieller und unbekannter Prozesse innerhalb des uns umgebenden Geräte-, Anwendungs- und Materialfundus zu sein.

 

*1982 in Moskau, Russland, lebt in New York, USA

Alisa Baremboym, 6-D, 2013, © Foto: Achim Hatzius

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Alisa Baremboym, 6-D, 2013, © Foto: Achim Hatzius

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