Speculations on Anonymous Materials
Ken Okiishi

Ken Okiishi, gesture/data, 2013, © Foto: Achim Hatzius

In Ken Okiishis Arbeit gesture/data wird die Bildschirmoberfläche selbst zum spannungsgeladenen Kristallisationspunkt. Deren dynamische Blauskala generiert der Künstler aus digitalen Handvideoaufnahmen, welche die Anzeige eines Röhrenmonitors zeigen. Mit dem so genannten „blue screen“ dokumentiert gesture/ data die visuelle Bekundung eines Signalausfalls, deren leuchtendes Blau abhängig von Kameraeinstellung und -nähe zwischen unterschiedlichen Tönen und Intensitäten variiert. Nah an die konvexe Wabenstruktur des analogen Bildschirms herangeführt, verleiht die Handkamera dem in Pixel übersetzten Blauton zudem eine digital generierte Tiefe. Dieser Effekt wird durch die Trans-kodierung des Materials in das ausgestellte .mp4-Format erneut verstärkt: Pixel beginnen aus der Wabenstruktur hervorzutreten und schweben daraufhin über der blauen Oberfläche. Die so manipulierte Leere des „blue screens“ trifft in Okiishis Arbeiten auf den „green screen“ seiner Malerei. Die verwendete Chroma Key Farbe kommt sonst vor allem in der Filmindustrie zum Einsatz. Als leicht durch Nachbearbeitung auflösbarer Hintergrund materialisiert sich in Okiishis manuellen Arbeitsschritten somit eine Form der digitalen Leere, die durch jeden beliebigen Handlungskontext ersetzt werden kann.

Okiishis Arbeiten inszenieren nicht nur das Aufeinandertreffen digitaler und analoger Technologien, sondern stellen vielmehr das vermeintlich entleerte Produkt wiederholter Transkodierung dar. Als digitale Artefakte verkörpern sie die Kollision unterschiedlicher Bild- und Signalstörungen – Phänomene also, in welchen sich die Materialität moderner Medien manifestiert. Diese werden jedoch aus der peripheren Rolle des Ausnahmefalls enthoben und in den Mittelpunkt des Werks gerückt. Hier verleihen sie den schwer greifbaren Kommunikationsbrüchen, Zwischenräumen und Ambivalenzen, die sich an der Schwelle von Virtualität und Realität bewegen, eine abstrakt-visuelle Form. Deren einzigartige Ästhetik ergibt sich nicht zuletzt aus einem dynamischen Wechselspiel zwischen Vorder- und Hintergrund, „in screen“ und „on screen“.

 

*1978 in Ames, USA, lebt in Berlin, Deutschland, und New York, USA

Ken Okiishi, gesture/data, 2013, © Foto: Achim Hatzius

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Ken Okiishi, gesture/data, 2013, © Foto: Achim Hatzius

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