Speculations on Anonymous Materials
Timur Si Quin

Timur Si-Qin, Installationsansicht, © Foto: Achim Hatzius

Timur Si-Qin erschafft mit seinem künstlerischen Werk nicht nur ein vielschichtiges und offenes System mit Bezugspunkten aus Natur, Kultur und Medientechnologie, sondern zersetzt die derart geschaffenen Konfigurationen sogleich durch eine permanente Infragestellung.

Si-Qins Arbeiten folgen dem Strom unseres postmedialen Zeitalters und erzeugen durch vielseitige und wechselhafte Adressierung eine „Ästhetik der Kontingenz“, die sich – bezugnehmend auf den mexikanischen Schriftsteller, Künstler und Philosophen Manuel de Landa – aber nicht jedweder Gestaltwerdung ver-weigert, sondern vielmehr ihre Definition aus einem stetigen Materialfluss semi-stabiler Strukturen und Adaptionen bezieht.

Dieser Strom der Bezüge nimmt Formen der evolutionären Entwicklung an und zeigt sich exemplarisch an Melted Yoga-Mat: Eine Yoga-Matte, materieller Vertreter der industriellen Produkterzeugung und zugleich Sinnbild östlicher Philosophie, zeigt sich hier als verletzter Körper, im Zustand der Versehrtheit durch die Naturgewalt Feuer. Eine Form des vielfachen Kontrasts, die sich auch in Si-Qins Arbeit Axe Effect findet – einer Serie von Skulp-turen, die einen Akt der rohen, martialischen Gewalt mit der Schönheit eines hochentwickelten Product Placements paart und so die Symbolkraft eines blutigen und dennoch ästhetischen Todes erzeugt. Industriell gefertigte und zugleich hoch psychologisierte Formen, Farben und Gerüche einer suggerierten Maskulinität erfahren hier eine materielle Reflexionen, welche die inneren Widersprüche und Komplexitäten des Produkts pointiert aufzeigt.

 

*1984 in Berlin, Deutschland, lebt in Berlin, Deutschland

Timur Si-Qin, Installationsansicht, © Foto: Achim Hatzius

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Timur Si-Qin, Installationsansicht, © Foto: Achim Hatzius

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