Programm

September

FLUORESZENZ,

Themenführung

Freitag, 30.09.2016,

17:00–18:00

€0,00

Tetsumi Kudo wählte für viele seiner Arbeiten fluoreszierende Farben – in der Rotunde werden diese unter Schwarzlicht gezeigt. Die Führung FLUORESZENZ widmet sich der Thematik der Radioaktivität in Kudos Werk, die insbesondere in seinen fluoreszierenden Arbeiten sichtbar wird.

FÄDEN,

Themenführung

Donnerstag, 29.09.2016,

17:00–18:00

€0,00

In seinem Spätwerk wendete sich Kudo verstärkt dem Motiv „Fäden“ zu, die für ihn mannigfaltige kulturelle Konnotationen hatten. Die Themenführung FÄDEN konzentriert sich auf diese spätere Schaffensphase Tetsumi Kudos.

FREI,

Führung

Mittwoch, 28.09.2016,

17:00–18:00

€0,00

Vier Augen sehen mehr als zwei, und manchmal sehen sie gänzlich Unterschiedliches: Im freien Austausch miteinander und mit den BesucherInnen führen zwei KunstvermittlerInnen durch die Ausstellung – eine wöchentliche Übung in (Kunst-)Wahrnehmung.

FOR FILM,

Einführung

Mittwoch, 28.09.2016,

15:00–16:00

€0,00

Für ihre erste große institutionelle Einzelausstellung in Deutschland hat Loretta Fahrenholz den Film Two A.M. produziert. Neben dieser neuen Arbeit sind die Filme Ditch Plains (2013), My Throat, My Air (2014) und Que Bárbara (2011) zu sehen. In ihren postcinematischen Filmen dokumentiert Fahrenholz unsere von kollektiven Fiktionen, Inszenierung und medialer Vermittlung geprägte Gegenwart. FOR FILM führt in die Arbeiten der Künstlerin ein.

FOSSIL,

Themenführung

Dienstag, 27.09.2016,

17:00–18:00

€0,00

„Ich betrachte meine Häute, wie ich Fossilien betrachte“, bemerkte Tetsumi Kudo einmal. Dass er von mehreren Häuten spricht, fügt sich dabei in sein immer wiederkehrendes Motiv der Metamorphose, der Verwandlung also, die auch Insekten in verschiedenen Stadien ihrer Entwicklung durchmachen. Die Themenführung FOSSIL konzentriert sich auf die Aspekte der kulturellen Spurensuche und Metamorphose in Tetsumi Kudos Werk.

FÜHRUNG,

Führung

Sonntag, 25.09.2016,

17:00–18:00

€0,00

Über drei Jahrzehnte – Mitte der 1950er bis Ende der 1980er Jahre – schuf Tetsumi Kudo (1935 – 1990) ein Werk, das für viele KünstlerInnen nachfolgender Generationen wegweisend wurde. Als junger Künstler zog der in Japan aufgewachsene Kudo nach Paris. Dort erlebte er, wie sich Europa nostalgisch an einem humanistischen Menschenbild als geistigen Überbau festhielt. Dies musste er nach den Angriffen auf Nagasaki und Hiroshima 1945 als zutiefst fadenscheinig empfinden. Die verheerenden Auswirkungen der Atombomben hatten sowohl die Verwundbarkeit des menschlichen Organismus als auch die enorme zerstörerische Schaffenskraft des Menschen offenbar gemacht. Sie bedeuteten für die japanische Gesellschaft eine tiefe Zäsur. Kudos Arbeiten kommen einer neuen Ökologie gleich, in der Körperteile, Pflanzen und elektrische Apparaturen zu posthumanen Gefügen verbunden sind. Für den Avantgardisten, der stets quer zu den dominanten künstlerischen Strömungen seiner Zeit arbeitete, waren dies jedoch keine apokalyptischen Szenarien oder alptraumhaften Zukunftsvisionen. Vielmehr bewegten ihn Überlegungen zum Menschen in einem hochtechnologisierten Zeitalter.

FÜHRUNG,

Führung

Sonntag, 04.09.2016,

15:00–16:00

€0,00

Für ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland verdichtet Anicka Yi das Erdgeschoss des Fridericianum zu einer raumgreifenden Installation. Mit ihren eigens für die Ausstellung produzierten skulpturalen und filmischen Arbeiten lässt sie Konstruktionen von Natur mit wissenschaftlicher und kolonialistischer Überheblichkeit kollidieren. Anicka Yi hinterfragt gängige Ordnungsvorstellungen: Welche Wirklichkeiten schafft die hybride Verbindung von Pflanzen, Mensch, Tier und Technologie?
Teilnahme im Eintrittspreis enthalten

FRITZI FÜHRT,

Führung

Sonntag, 04.09.2016,

14:00–15:00

€0,00

Jeden Sonntag kommen im Fridericianum Kinder ausgiebig zu Wort: In Fritzi führt gestalten sie einen individuellen Rundgang durch die Ausstellung – für andere Kinder, aber auch für Erwachsene.

Museumsnacht,

Samstag, 03.09.2016,

17:00–01:00

Kasseler Museumsnacht
Das Fridericianum hat ab 11 Uhr geöffnet. Die Museumsnacht beginnt um 17 Uhr und endet um 1 Uhr.

Kinderprogramm
17:00–21:00 Uhr FRITZI forscht: Das Forschungslabor im Fridericianum

Die Aufteilung der Welt in Kategorien wie Pflanzen, Tiere, Technologie und Mensch, natürlich und künstlich ist nicht mehr zeitgemäß. Sie verstellt den Blick dafür, wie fließend die Grenzen zwischen ihnen sind. Im FRITZI-Forschungslabor gehen Kinder mit der Künstlerin Katrin Leitner-Peter diesem Phänomen auf den Grund. Es können eigene, hybride Skulpturen geschaffen und im Anschluss mit nach Hause genommen werden.

17:00 – 20:00 Uhr Forscherspiel

Das Forscherspiel findet in sieben Museen statt. Ausgestattet mit einem Forscherausweis absolvieren Kinder in jedem Museum einen Forscherauftrag, der sie anhand von Fragen durch das Museum führt.

Mehrsprachige Führungen zur Ausstellung Anicka Yi. Jungle Stripe
17:00 Uhr Deutsch
17:30 Uhr Arabisch
18:00 Uhr Deutsch
18.30 Uhr Türkisch
19:00 Uhr Deutsch
19:30 Uhr Mandarin
20:00 Uhr Deutsch
20:30 Uhr Kurdisch
21:00 Uhr Deutsch
21:30 Uhr Russisch
22:00 Uhr Deutsch
22:30 Uhr Spanisch
23:00 Uhr Deutsch
23.30 Uhr Englisch
24:00 Uhr Deutsch 

ab 17:00 Uhr Performance und Choreographie
In Zusammenarbeit mit der Tänzerin und Choreographin Bettina Helmrich hat die Klasse ter Heijne der Kunsthochschule Kassel ein performatives Programm zur Ausstellung entwickelt, das über die Dauer der Museumsnacht hinweg an verschiedenen Orten im Fridericianum erlebt werden kann.

FÜHRUNG,

Führung

Samstag, 03.09.2016,

15:00–16:00

€0,00

Für ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland verdichtet Anicka Yi das Erdgeschoss des Fridericianum zu einer raumgreifenden Installation. Mit ihren eigens für die Ausstellung produzierten skulpturalen und filmischen Arbeiten lässt sie Konstruktionen von Natur mit wissenschaftlicher und kolonialistischer Überheblichkeit kollidieren. Anicka Yi hinterfragt gängige Ordnungsvorstellungen: Welche Wirklichkeiten schafft die hybride Verbindung von Pflanzen, Mensch, Tier und Technologie?
Teilnahme im Eintrittspreis enthalten

FRITZI,

Kinderwerkstatt

Samstag, 03.09.2016,

11:00–13:00

€0,00

Fritzi ist eine Kunstwerkstatt für Kinder ab 6 Jahren. Die Kunstwerkstatt bietet Kindern einen Raum für freies Assoziieren, Denken und Gestalten. In ihren Werken widmet sich Anicka Yi hybriden Formen und hinterfragt aktuelle Entwicklungen in der Biotechnologie. Die Ausstellung dient als Ausgangspunkt für das Experimentieren mit ungewöhnlichen Materialien und Werkstoffen in einem eigens eingerichteten Forschungslabor. Bitte achten Sie darauf, dass Ihr Kind Kleidung trägt, die schmutzig werden darf. Verpflegung kann nicht vom Fridericianum gestellt werden, darf aber gerne mitgebracht werden. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

As far as anyone could recall,

Ausstellung

Samstag, 03.09.2016,

11:00–18:00

As far as anyone could recall
27.08.16 – 03.09.16

Sebastian Amelung, Miriam Aust, martinafischer13, Peter Freund, Tilman Hatje, Katrin Leitner, Ingmar Mruk, Walter Peter, Eric Pries, Maja Wirkus, Torben Röse, Bernd Schlake, Björn Wolf, Jürgen Zähringer
Kuratiert von Angela Jerardi


Es passierte vor ein paar Monaten auf einer Eröffnung. Der Mann war ein Gast unter vielen, aber niemand konnte sich im Nachhinein daran erinnern, ob er sich den bei solchen Gelegenheiten üblichen sozialen Gepflogenheiten fügte. Irgendwann bemerkte jemand, dass er einen abgenutzten Holzzollstock bei sich trug. Er verkroch sich in den Ecken des Raumes, immer an den Wänden entlang, legte ab und zu den Zollstock an und machte sich dann ein paar Notizen in einem kleinen Heft, das er aus seiner Tasche hervorholte. Halb aus Neugier, halb aus Pflichtgefühl, ging der Hausmeister auf ihn zu und fragte, was es mit diesem Verhalten auf sich habe. Die Leute erzählten, der Mann besitze einen alten Grundriss des Gebäudes. Aber niemand kannte oder erkannte ihn. Es war ihnen ein Rätsel, wie er in den Besitz dieses Dokumentes kommen konnte. Angeblich wollte er nur sicherstellen, dass die Maße noch stimmten, da er befürchtete, sie könnten sich mit der Zeit geändert haben.

Was wäre, wenn ein Raum nichts weiter darstellte, als den Reim, den wir uns auf ihn machen? Mit anderen Worten: Sollten wir möglicherweise noch einmal völlig neu über die Syntax der Architektur nachdenken? Das Fridericianum hat als Ort viele Inkarnationen durchlaufen – Bibliothek, Museum, Kunsthalle, Nachkriegsruine, um nur einige zu nennen –, die alle eine Unzahl von Geschichten bereithalten. Wie einen solchen Ort einschätzen? Um einem Gebäude auf die Spur zu kommen, wäre es geboten, unseren Materialbegriff zu überarbeiten und das Material als etwas an sich Instabiles und Lebendiges aufzufassen. Seine Oberfläche ist ein Zeitmesser, ein Verzeichnis affektiver Kräfte, ein Archiv der Sozialgeschichte. Ein Riss in der Wand lässt sich nicht reproduzieren, wie Eyal Weizman nur halb im Scherz meinte: „Sein Verlauf ist eine einzigartige Verwicklung von materiellen Inkonsistenzen auf der Mikroebene und Kraftwirkungen auf der Makroebene.“ Ein Riss ist Information. 

Und wie steht es um die historisch verbürgten Raumkonzepte? Simonides wird die sogenannte Loci-Methode zugeschrieben, eine Erinnerungstechnik, bei der Gedächtnisinhalte in einem Mnemopalast abgelegt werden. Erinnerungen sind im Raum verwurzelt. Aber sind sie nicht immer auch dialogisch? Nur gemeinsam erinnern wir uns, zusammen mit anderen. Ein Ort, ein Duft, eine Person – Erinnerung ist eine gesellschaftliche Praxis. Selbst wenn wir allein sind, rekonstruieren wir vor unserem inneren Auge Szenen, Geräusche und Formen, die uns umgeben. Wir rekreieren in unserem Kopf ein soziales Milieu, das nicht präsent ist. Diese Erzählungen sind in das Gesellschaftliche eingebettet und entziehen sich doch unserem Zugriff. Eine Geschichte legt Zeugnis ab oder sie dient schlicht der Erbaulichkeit. Sie kann uns allerdings auch umtreiben und verletzen. Geschichten lagern sich zu Geschichte ab – aber nur, weil wir daran auf eine Weise teilhaben, die wir nicht vollständig kontrollieren können.

Die Idee zu  As far as anyone could recall kam auf, als das für die Objekthängung zuständige Team des Fridericianum eine Ausstellung konzipierte, in deren Mittelpunkt die eigene Arbeit stehen sollte. Zu sehen sind Arbeiten von Sebastian Amelung & Miriam Aust, martinafischer13, Peter Freund, Tilman Hatje, Katrin Leitner, Ingmar Mruk, Walter Peter, Eric Pries & Maja Wirkus, Torben Röse, Bernd Schlake, Björn Wolf und Jürgen Zähringer. Angela Jerardi ist Gastkuratorin.

FÜHRUNG,

Führung

Freitag, 02.09.2016,

17:00

€0,00

Für ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland verdichtet Anicka Yi das Erdgeschoss des Fridericianum zu einer raumgreifenden Installation. Mit ihren eigens für die Ausstellung produzierten skulpturalen und filmischen Arbeiten lässt sie Konstruktionen von Natur mit wissenschaftlicher und kolonialistischer Überheblichkeit kollidieren. Anicka Yi hinterfragt gängige Ordnungsvorstellungen: Welche Wirklichkeiten schafft die hybride Verbindung von Pflanzen, Mensch, Tier und Technologie?
Teilnahme im Eintrittspreis enthalten

As far as anyone could recall,

Ausstellung

Freitag, 02.09.2016,

11:00–18:00

As far as anyone could recall
27.08.16 – 03.09.16

Sebastian Amelung, Miriam Aust, martinafischer13, Peter Freund, Tilman Hatje, Katrin Leitner, Ingmar Mruk, Walter Peter, Eric Pries, Maja Wirkus, Torben Röse, Bernd Schlake, Björn Wolf, Jürgen Zähringer
Kuratiert von Angela Jerardi


Es passierte vor ein paar Monaten auf einer Eröffnung. Der Mann war ein Gast unter vielen, aber niemand konnte sich im Nachhinein daran erinnern, ob er sich den bei solchen Gelegenheiten üblichen sozialen Gepflogenheiten fügte. Irgendwann bemerkte jemand, dass er einen abgenutzten Holzzollstock bei sich trug. Er verkroch sich in den Ecken des Raumes, immer an den Wänden entlang, legte ab und zu den Zollstock an und machte sich dann ein paar Notizen in einem kleinen Heft, das er aus seiner Tasche hervorholte. Halb aus Neugier, halb aus Pflichtgefühl, ging der Hausmeister auf ihn zu und fragte, was es mit diesem Verhalten auf sich habe. Die Leute erzählten, der Mann besitze einen alten Grundriss des Gebäudes. Aber niemand kannte oder erkannte ihn. Es war ihnen ein Rätsel, wie er in den Besitz dieses Dokumentes kommen konnte. Angeblich wollte er nur sicherstellen, dass die Maße noch stimmten, da er befürchtete, sie könnten sich mit der Zeit geändert haben.

Was wäre, wenn ein Raum nichts weiter darstellte, als den Reim, den wir uns auf ihn machen? Mit anderen Worten: Sollten wir möglicherweise noch einmal völlig neu über die Syntax der Architektur nachdenken? Das Fridericianum hat als Ort viele Inkarnationen durchlaufen – Bibliothek, Museum, Kunsthalle, Nachkriegsruine, um nur einige zu nennen –, die alle eine Unzahl von Geschichten bereithalten. Wie einen solchen Ort einschätzen? Um einem Gebäude auf die Spur zu kommen, wäre es geboten, unseren Materialbegriff zu überarbeiten und das Material als etwas an sich Instabiles und Lebendiges aufzufassen. Seine Oberfläche ist ein Zeitmesser, ein Verzeichnis affektiver Kräfte, ein Archiv der Sozialgeschichte. Ein Riss in der Wand lässt sich nicht reproduzieren, wie Eyal Weizman nur halb im Scherz meinte: „Sein Verlauf ist eine einzigartige Verwicklung von materiellen Inkonsistenzen auf der Mikroebene und Kraftwirkungen auf der Makroebene.“ Ein Riss ist Information. 

Und wie steht es um die historisch verbürgten Raumkonzepte? Simonides wird die sogenannte Loci-Methode zugeschrieben, eine Erinnerungstechnik, bei der Gedächtnisinhalte in einem Mnemopalast abgelegt werden. Erinnerungen sind im Raum verwurzelt. Aber sind sie nicht immer auch dialogisch? Nur gemeinsam erinnern wir uns, zusammen mit anderen. Ein Ort, ein Duft, eine Person – Erinnerung ist eine gesellschaftliche Praxis. Selbst wenn wir allein sind, rekonstruieren wir vor unserem inneren Auge Szenen, Geräusche und Formen, die uns umgeben. Wir rekreieren in unserem Kopf ein soziales Milieu, das nicht präsent ist. Diese Erzählungen sind in das Gesellschaftliche eingebettet und entziehen sich doch unserem Zugriff. Eine Geschichte legt Zeugnis ab oder sie dient schlicht der Erbaulichkeit. Sie kann uns allerdings auch umtreiben und verletzen. Geschichten lagern sich zu Geschichte ab – aber nur, weil wir daran auf eine Weise teilhaben, die wir nicht vollständig kontrollieren können.

Die Idee zu  As far as anyone could recall kam auf, als das für die Objekthängung zuständige Team des Fridericianum eine Ausstellung konzipierte, in deren Mittelpunkt die eigene Arbeit stehen sollte. Zu sehen sind Arbeiten von Sebastian Amelung & Miriam Aust, martinafischer13, Peter Freund, Tilman Hatje, Katrin Leitner, Ingmar Mruk, Walter Peter, Eric Pries & Maja Wirkus, Torben Röse, Bernd Schlake, Björn Wolf und Jürgen Zähringer. Angela Jerardi ist Gastkuratorin.

FÜHRUNG,

Führung

Donnerstag, 01.09.2016,

17:00–18:00

€0,00

Für ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland verdichtet Anicka Yi das Erdgeschoss des Fridericianum zu einer raumgreifenden Installation. Mit ihren eigens für die Ausstellung produzierten skulpturalen und filmischen Arbeiten lässt sie Konstruktionen von Natur mit wissenschaftlicher und kolonialistischer Überheblichkeit kollidieren. Anicka Yi hinterfragt gängige Ordnungsvorstellungen: Welche Wirklichkeiten schafft die hybride Verbindung von Pflanzen, Mensch, Tier und Technologie?
Teilnahme im Eintrittspreis enthalten

As far as anyone could recall,

Ausstellung

Donnerstag, 01.09.2016,

11:00–18:00

As far as anyone could recall
27.08.16 – 03.09.16

Sebastian Amelung, Miriam Aust, martinafischer13, Peter Freund, Tilman Hatje, Katrin Leitner, Ingmar Mruk, Walter Peter, Eric Pries, Maja Wirkus, Torben Röse, Bernd Schlake, Björn Wolf, Jürgen Zähringer
Kuratiert von Angela Jerardi


Es passierte vor ein paar Monaten auf einer Eröffnung. Der Mann war ein Gast unter vielen, aber niemand konnte sich im Nachhinein daran erinnern, ob er sich den bei solchen Gelegenheiten üblichen sozialen Gepflogenheiten fügte. Irgendwann bemerkte jemand, dass er einen abgenutzten Holzzollstock bei sich trug. Er verkroch sich in den Ecken des Raumes, immer an den Wänden entlang, legte ab und zu den Zollstock an und machte sich dann ein paar Notizen in einem kleinen Heft, das er aus seiner Tasche hervorholte. Halb aus Neugier, halb aus Pflichtgefühl, ging der Hausmeister auf ihn zu und fragte, was es mit diesem Verhalten auf sich habe. Die Leute erzählten, der Mann besitze einen alten Grundriss des Gebäudes. Aber niemand kannte oder erkannte ihn. Es war ihnen ein Rätsel, wie er in den Besitz dieses Dokumentes kommen konnte. Angeblich wollte er nur sicherstellen, dass die Maße noch stimmten, da er befürchtete, sie könnten sich mit der Zeit geändert haben.

Was wäre, wenn ein Raum nichts weiter darstellte, als den Reim, den wir uns auf ihn machen? Mit anderen Worten: Sollten wir möglicherweise noch einmal völlig neu über die Syntax der Architektur nachdenken? Das Fridericianum hat als Ort viele Inkarnationen durchlaufen – Bibliothek, Museum, Kunsthalle, Nachkriegsruine, um nur einige zu nennen –, die alle eine Unzahl von Geschichten bereithalten. Wie einen solchen Ort einschätzen? Um einem Gebäude auf die Spur zu kommen, wäre es geboten, unseren Materialbegriff zu überarbeiten und das Material als etwas an sich Instabiles und Lebendiges aufzufassen. Seine Oberfläche ist ein Zeitmesser, ein Verzeichnis affektiver Kräfte, ein Archiv der Sozialgeschichte. Ein Riss in der Wand lässt sich nicht reproduzieren, wie Eyal Weizman nur halb im Scherz meinte: „Sein Verlauf ist eine einzigartige Verwicklung von materiellen Inkonsistenzen auf der Mikroebene und Kraftwirkungen auf der Makroebene.“ Ein Riss ist Information. 

Und wie steht es um die historisch verbürgten Raumkonzepte? Simonides wird die sogenannte Loci-Methode zugeschrieben, eine Erinnerungstechnik, bei der Gedächtnisinhalte in einem Mnemopalast abgelegt werden. Erinnerungen sind im Raum verwurzelt. Aber sind sie nicht immer auch dialogisch? Nur gemeinsam erinnern wir uns, zusammen mit anderen. Ein Ort, ein Duft, eine Person – Erinnerung ist eine gesellschaftliche Praxis. Selbst wenn wir allein sind, rekonstruieren wir vor unserem inneren Auge Szenen, Geräusche und Formen, die uns umgeben. Wir rekreieren in unserem Kopf ein soziales Milieu, das nicht präsent ist. Diese Erzählungen sind in das Gesellschaftliche eingebettet und entziehen sich doch unserem Zugriff. Eine Geschichte legt Zeugnis ab oder sie dient schlicht der Erbaulichkeit. Sie kann uns allerdings auch umtreiben und verletzen. Geschichten lagern sich zu Geschichte ab – aber nur, weil wir daran auf eine Weise teilhaben, die wir nicht vollständig kontrollieren können.

Die Idee zu  As far as anyone could recall kam auf, als das für die Objekthängung zuständige Team des Fridericianum eine Ausstellung konzipierte, in deren Mittelpunkt die eigene Arbeit stehen sollte. Zu sehen sind Arbeiten von Sebastian Amelung & Miriam Aust, martinafischer13, Peter Freund, Tilman Hatje, Katrin Leitner, Ingmar Mruk, Walter Peter, Eric Pries & Maja Wirkus, Torben Röse, Bernd Schlake, Björn Wolf und Jürgen Zähringer. Angela Jerardi ist Gastkuratorin.